Jeden Tag ein Gedicht

von Vlatka Frketić

Möglicherweise

Die Polizei hat einen möglichen Anschlag verhindert
Womöglich hat die Polizei einen Anschlag verhindert
Der möglicherweise hätte durchgeführt werden sollen
Wenn die Polizei ihn nicht verhindert hätte
Möglicherweise verhindert
Oder Mögliches verhindert
Die möglichen Toten könnten jetzt
Möglicherweise in steigender Angst
Womöglich in Schrecken leben
Womöglich mehr Schutzmaßnahmen
und Sicherheit fordern
Wegen weiterer möglicher Anschläge

Meinungsfreiheit

Wir sind uns einig in der Freiheit der Meinung

die einstimmig gesprochen wird ohne Widerspruch.

Empörung

Mit halboffenen Mündern laufen sie herum
Die Erotik der Empörung liegt in der Luft
Stumpf schwebt sie und gleitet wie
Schwerelos fast unbemerkbar durch
Die Straßen der Städte
Sie laufen und laufen, legen sich
Feuchte Hände auf ihre Gesichter
Das Reiben im Gleichsinn verbindend
Was möglicherweise geglaubt werden könnte
Steht nicht zur Rede
Ist reine Spekulation ganz milde gesagt
Ich glaube das nicht aber manche Experten
Sagen doch, doch, es ist möglich

Aufgeheizt

aufgeheizte stimmung im zusammenschluss
der holzfäller, der holzträger, der heizungsmonteure,
der öl- und gaskapitalisten
die aufheizen verhindern möchten im glauben
zu viel des guten würde nur in der luft verdampfen
gesteuert gehöre die stimmung sind viele der ansicht
und tun ihr bestes aber für wen ist das schon das beste
doch stimmung ist ein hund und nicht so leicht zu heizen
sie lodert beständig und findet ihre wege
auch wenn sie angestachtelt wird
von heizern und löschern und anderen heuchlern
die weismachen wollen sie würden schon wissen
bei welchen temperaturen die stimmung am
wohligsten schwinge
doch rechnen sie nicht mit verstand der gepaart
mit gefühlen und geäußerten wünschen
die gefordert werden bestimmt
die nicht erfüllt werden sollen unter dem
weihnachtsbaum einmal im jahr nur als
papier mit leeren versprechen
die stimmung bleibt heiss und bereit

vergessen

vergiß die erinnerung
sie gleicht sich nicht
mehr nach all der zeit

Weniger schlimm ist immer noch schlimm

Was redest du da
Für wen ist es schlimm
Wer profitiert denn davon
Vom Wenigerschlimm
Mindest gesichert ist
Hände erheben zur
Arbeit nach Liste
Zu dienen
Zu weinen
Im Stillen allein
Die Hände erhoben
Für Recht und für Würde
Davor hast du Angst
So Handlos du bist
Du brauchst sie auch nicht
Für Recht und für Würde
Die Hände erhoben
Als Säugling bekamst du
Dein Recht auf die Würde
Und tust so als ob
Du getan hast so viel
So sprachlos du bist
Im Suchen nach Worten
Gibst vor so zu sein
Im Schauspiel
Dem größten
Doch glaubhaft
Das war mal
Ich hab jetzt das
Werkzeug
Warum glotzt du so
Dämlich
Als ob du es nicht glaubst
Du lügst dich nur selbst an
Ich riech schon den Schuldschweiß
Der stinkt bis zu mir doch
Den wehr ich gut ab
Und erhebe die Stimme
Die deine verschwindet
Und wandelt sich um
In andere Sphären
Wo sprechen ich kann
Gehört werde nun endlich
Und lebe nach meinem Plan

Herde

Wie Schafe sich drängend
Dicht aneinander am
Rande der Mauer im
Versuch sich schützen
Zu wollen vor Sonne
Und Wind
So müht ihr euch ab
Gespinste eurer Hirne
Glaubhaft erscheinen
Zu lassen

Punktlos

Die Hocker im Trockner sind Loser
Mit Schirmen, die schützen den Anzug, ganz
Grau wie der Himmel, so üblich es ist
Hier bei uns, in dem Land mit den Bergen
Das Zäune hier baut mit Klingen die hängen
So fest dass sie kleben an Händen wie deinen
Sonst gibt´s hier nicht viel
Entpunktet Geschrumpelt
Kein Platz hier für Punkte, ich sollte stürmen die Bude
Mehr Platz für mehr Worte, doch tu ich es nicht
Bin auch nur ein Feigling, sich beugend der Macht
Nehm Kohle dafür und sauf dann den Wein
Den billigen mein ich, für mehr reicht es nicht
Entpunktet das Ganze, um sparsam zu sein
Warum nur ist keiner hier wütend und streikt
Beschwert sich darüber, dass es zum Leben kaum reicht
Nur billigen Suff, kann Mensch sich hier leisten
Wenn nicht, dann fließt noch das Wasser vom Quell
So stolz drauf sind alle, ich versteh das nicht ganz
Worum geht es denn hier, es kann doch nicht sein
Dass Überleben uns reicht mit Wasser vom Quell
Wenn klar ist da gibt es mehr noch zu holen, für alle uns hier
Entpunktet sind wir, Rebellen von Gestern
Da muss noch was sein, das hochbringt uns wieder
Raus aus dem Trockner, genug ist´s mit Hocken
Jetzt reicht´s uns, wir stürmen das Land mit den Bergen
Verkleidet mit Punkten so groß wie Melonen
Und holen uns Recht, das uns keiner gibt
In Sprachen, die keiner hier spricht oder will
Gerecht soll´s hier sein, leere Worte sind das
Wer soll den gestellt sein auf gleich und so gleich
Wenn gleich wir nicht sind
Da bist du ganz klar, du spielst uns
nichts vor, du zeigst uns klar auf
Wo wir stehen und wo du, das ist schon gerecht
Dann weiß ich genau wo ich steh, wo du
Von Beginn an entpunktet, am Start schon im Minus
Das hol ich schon auf, du machst es nicht leicht mir
Doch kämpfen, das kann ich, das hast du erfahren
Es geht immer weiter und hört niemals auf

Fußnote

Du willst nicht mehr meine Fußnote sein
Obwohl ich dir ein neues Kleid gebe
Das dich unterscheidet
Abgegrenzt durch eine zarte Linie
Du willst nicht mein Verweis sein
Obwohl du verbindest und
Verführen kannst zum Weiter
und nicht alleine bist dabei
Ohne dich gäbe es den Text nicht
In dem du die Bestätigung unser
Aller Lebens bist
Ich verstehe wirklich nicht warum
Du dich zierst und nur als Stern
Erstrahlen willst obwohl du
Einen sicheren Platz hast bei mir

Schubladen

Rein in die Schublade raus aus der Schublade
Eine ständige Bewegung, ob du willst oder nicht
Manchmal willst, manchmal brauchst du
Die Schubladen zur Auswahl
Und es ist doch egal, ob du da zusamengekauert
Mit Rückenschmerzen ausharren musst
Bis du in die nächste wechseln kannst, wo du
Stehen kannst, sehr aufrecht stehen, aber keine Wand
Da ist zum Anlehnen, dann hast du das
Bedürfnis dich vorzubeugen, aber so
Findet die nächste Schublade Platz auf
Deinem Rücken und dein Arsch ist jeder
Beliebigen Schublade ausgesetzt
Ob du willst oder nicht.
Sehr dynamisch ist der Gang durch die
Schubladen und abwechslungsreich auch
Fast ein Ausflug und sehr gesellig
Auch wenn es immer wieder zu Gedrängel
Kommt in der einen oder anderen Schublade
Aber das gibt auch Möglichkeiten zum Anlehnen
Und kann gut gegen Rückenschmerzen wirken
Aber wie jede Schmerzlinderung ist auch das
Nur von kurzer Dauer und der Lauf geht weiter.

Grenze

Überwinden. Verstärken. Verschieben.
Was würdest du tun?
Auflösen. Bekämpfen. Umgehen.
Was würdest du tun?
Politisieren. Verharmlosen. Bewachen.
Was würdest du tun?
Besetzen. Stürmen. Diskursiveren.
Was würdest du tun?
Debattieren. BeWorkshoppen. Angreifen.
Was würdest du tun?
Zerreden. Subversivieren. Passiv passieren.

Reihe 23

Sie saß in Reihe dreiundzwanzig
Niemand beachtete sie
Dann hielt der Autobus an
Zwei Uniformierte stiegen ein
Mit Pistolen im Halfter und
Taschenlampen in der Hand
Alle zeigten ihre Päse
Auf Kommando
Ohne zu fragen warum
Kaum jemand wusste warum
Eigentlich
Sie stand auf und folgte dem Mann
Wir fuhren weiter
Ein Platz in Reihe dreiundzwanzig blieb leer
An manchen Tagen fasse ich Mut
Und denke an sie

Schlaflos

Schon wieder überleben müssen
In dieser Welt die uns am
Schlafen hindert die uns in
Erzählungen fesselt
Schlaflos in Zweierreihen
Bewegen wir uns unmerklich vom
Stein zum Schlagbaum
Leichtfüßig eng an das
Holz gepresst marschieren
Wir in unsere Flucht

Tischnoten

Den einen Weg zu schaffen
Zum Leben ohne Tischnoten
Ohne den ständigen Verweis auf Hintergründe
Ohne das Als-ob-Leben
Es kommt mir anders vor die Außerordentlichkeit
Dieser Ordnung der Verbündeten der Regeln
Wo kann ich nur anknüpfen am
Gedeckten Tisch an dem ich vergeblich nach
Deinem Namensschild suche
Das Gefühl sich wohl fühlen zu müssen
Und es von Zeit zu Zeit schaffen
Breitet sich aus.
Das Bedürfnis nicht sterben zu wollen
Um es dann doch zu tun.
Wir teilen uns den Tisch nicht und
Auch nicht die Tischnoten
Von denen es nur so wimmelt. Die einen
Verworfen. Schon durch neue ersetzt.
Die Entwirrung ist noch weit.

Der Rückwink

Ein, zwei, drei Panzer.
Panzer. Panzer.
Ich fahre an ihnen vorbei.
Lange. Lange. Lange.
Ich versinke im Fahrersitz.
Wäre am liebsten unsichtbar.
Unbehagen. Scham.
Und weiß nicht warum.
Ich versinke noch tiefer und sehe
Die Straße kaum noch.
Ich werde rot und mir wird heiß.
Ich halte an. Steige aus.
Zünde mir eine Zigarette an.
Schaue auf den Rücksitz:
Schwimmflossen, Maske, Schnorchel.
Das ist normal. Hier an der Küste.
Weiter Panzer. Dann Laster
Mit Soldaten.
Sie winken mir zu.
Ich kann meinen Arm nicht heben und
Winke nicht zurück.

Die Reise

Den langen Weg mit der Fähre
Über die Insel oder den üblichen.
Es sei auf eigene Gefahr.
Muss ich diese Gefahr erst denken können
Um sie zu bewerten?
Muss ich diese Gefahr erst fühlen können,
um sie denken zu können?
Muss ich diese Gefahr erst sehen und hören können,
um sie fühlen zu können?
Eins nach den anderen lehrte mich Marx.
In den scharfen Kurven steil nach unten.
Mir wurde fast schwindlig.
War Marx weit weg.
Als mein Wagen über dem Wasser schwebte.
Ich nur einen schmalen Weg vor mir sah.
Standen sie links und rechts.
Sehr stramm, und rührten sich nicht.
Nur eine Hand, die winkte und sagte:
Fahr weiter. Fahr weiter.
Erleichtert, als ich wieder Asphalt unter
Den Reifen spürte.
Dann kam das Donnern.
Der Himmel war blau.
Die Luft roch gut.
Als ich mich drehte, da waren sie nicht mehr.
Die Hand winkte nicht mehr Fahr weiter. Fahr weiter.
Wie kleine Figuren fielen sie um.
In das glitzernde Blau
Unter der Sonne.
Dem strahlenden Himmel.
Es roch schön nach Thymiam.
Nach Rosmarin auch.
Ich pflückte davon.
Dann fuhr ich weiter.

Umzäunung I

Ich war am Mittelmeer bis vor ein paar Tagen
Und sah viele Menschen eingezäunt im Wald
Ich sah, wie sie Kontrollen passierten an Rampen
Dabei sich streckten zu Geräten, die piepten
Und bunt leuchteten die Armbänder
Vorbei an Kameras
Eine links und eine rechts.
Ich näherte mich dem Zaun
Der hoch war und stramm
Und streckte meine Nase durch die Maschen
Erahnte das Meer hinter dem Wald
Dessen Geruch begann mich zu verführen.
In der Sonne die strahlte und lachte
Als ob es sonst nichts zu tun gäbe.
Da kamen auf einmal Uniformen zu mir. Ganz schnell
Und rot im Gesicht, schwer atmend vom Laufen
Mit Telefonen in der Hand keuchten sie
Verboten! Verboten! Du kannst hier nicht rein.
Der Eingang ist drüben.
Erst zahlen. Dann Armband.
Dann sei ich sicher, dass sonst keiner kommt
In den Wald. Der duftet am Meer.
Ohne Armband. Das leuchtet.
Ans Meer das strahlte in voller Pracht.
Als ob es sonst nichts zu tun gäbe. Unleistbar!

Umzäunung II

Das gehört zu mir.
Wie die Masche zum Draht?
Der meine Glieder zerreißt.
Und sein Dasein über meines stellt.
Du gehörst zu uns.
Wie die Antwort ohne Frage?
Die sich dehnt in meinen Träumen
Ohne mich zu berühren.
Ich gehöre.
Wie der undichte Korken
Durchlässig im Vielleicht.
Kann ich bleiben, kann ich gehen?
Ich höre
Die Verunsicherung
Das Bedürfnis zu lernen
Wie mit mir zu tun ist. Was?
Meine Sehnsucht zersetzt
Von deiner Hoffnung
Mit dem Gesicht zur Wand stehend.
Mich zu mir wendend. 

Dicht

Dichte Grenzen schäumen
Über sich selbst hinaus.
Wie drei Sprünge
Abzählbar. Vorhersehbar.
 
Dichte Grenzen gebürstet
Bis zur Stumpfheit
Geschneidert nach Maß
Giftig der Stoff
 
Garstig der Faden
In den Händen der
Schneider.

Maß nehmen

Ich nehme Maß. Und leite ab von Dir.
Maßnahmen hier und jetzt.
Lege dein Profil fest. Konkret und sicher.
Erfahrungen, Statistiken und Konzepte
Bestimmen ab jetzt dein Leben.
Maßnahmen dort und immerfort.
Analysen, Programme und Interviews
Sind meine Domäne.
Du kannst mir vertrauen. Lehn dich zurück.
Quantitativ, qualitativ und durchleuchtend.
Mit Maßnahmen kenne ich mich aus.
Denk nicht zu viel. Ist alles für dich.
Mit Expertisen, Daten und Definitionen
Und Maßnahmen im Vordergrund
Lernst du schnell deinen Hintergrund.
Vorgestellt und präsentiert
Sind Maßnahmen schnell absolviert.
Dann nehme ich wieder Maß
Und von Vorne beginnt der Spaß.

Änderungen

Gerade höre ich Nachrichten. Und
Auf Fragen gibt es keine Antworten
Es wird von Gesetzen gesprochen
Gerändert werden sie ruck-zuck
Ohne nachzudenken als Wunschgedanke
Wenn´s nicht passt, dann hop-hop
Wir ändern. Ist ganz leicht.
Nicht mehr nützlich? Schnell
An neue Gegebenheiten angepasst.
Für wen? Warum?
Nicht, um mich zu schützen.
Missbraucht werden Menschen
Die dann und wann auch wählen
Das große Recht in Anspruch nehmen
Leichtgläubig die Augen verschließen.
Missbraucht durch Kritik.
Kritik. Aber wie soll´s denn sein?
Wer sagt mir das? Wenn nicht ich
Dann keiner.

Reflexionen am Meer

Wenn eine Schwalbe reflektieren würde
Sich selbst bestätigend und harmonisierend
Würde die Möwe nur noch über dem Land
Kreischen und das Meer dem Rosmarin
Überlassen, der streiten würde mit
Lavendel und Lorbeer um
die Positionen im All.

Vorgestellt

Wie würde Wien sein, wenn auf
Gebäuden stehen würde
Erbaut von Gastarbeitern.
Wie würde Wien sein, wenn vor
Mancher Kirche eine Tafel stehen
Würde mit der Aufschrift
Für drei Euro die Stunde
Großzügig renoviert von Migranten.
Wie würde dieses Land sein, wenn
Die im Westen wüssten von den
Autochtonen Minderheiten im Osten.
Wie würde dieses Land sein, wenn
Hass in Bussen und Bahnen
Und auf Hausfassaden
Verstummen würde
Sich der Gegenwartsplicht
Bewusst werdend.
Wie würde dieses Land sein, wenn
Es mehr als nur einige Nischen
Für all das und Vieles mehr
Geben würde.

Kein Stein

Das Wasser gleitet zwischen
Meinen Fingern so samtig weich
Und kühlend
Mich umblickend und die vielen
Menschen nicht sehe
Die untertauchen in diesem großen
Friedhof wo kein
Stein neben einem anderen steht
Und verweisen würde auf
Das verwehrte Leben 

Bretter des Lebens

Wie tönen die Bretter des Lebens
im gespannten Bierzelt.
Wie tönen die Herzen der Singenden
im Schlachtruf der Hetzer
unter den Segeln,
die brökeln abgelöst von den
Brettern. Erinnerst du dich noch?
Ich setze zum Sprung an
und komme an im November.
Meine Füße brennen schon
an der Gabelung der Ansichtungen und
Vorherstellungen meiner Hoffnung.

Heute in Berlin

Manche nennen es Vielfalt.
Für andere ist es Ausschluss.
Widerspruch mit Schleuklappen
gegen die trotzende Rosa-rote-Brille.
Sollen die Besten bleiben oder der Rest
Ist eine der vielen Fragen.
Einstellungen gegen Haltungen
im Wunsch doch rechtzeitig
abzufliegen. In die Zukunft
oder sonst wo hin.
Ist jetzt nicht die Frage.

Hartes Pflaster

Wer hat sich schon mal die Knie aufgeschlagen
Auf dem harten Pflaster. Immer wieder,
so dass die Wunden kaum heilen auf dem harten Pflaster,
von dem sich die meisten mit Ekel abwenden und lieber aus
Der Ferne reden über Dinge, die eigentlich
Abstoßend sind wie der Gestank aus
Toiletten ohne Spülung. Mit undichten
Fenstern an denen im Winter
Eissterne blinzeln über dem
Harten Pflaster, wo kein Bagger und
Auch keine Bohrer die Steine neu
Schichten, damit ein bisschen
Federung eingebaut wird zum
Absprung auf ein anderes Pflaster,
wo Menschen authentisch sich äußern vor vielen
Menschen, die glauben, sie hätten verstanden
Die aber nur kurz etwas gehört haben und erröten
Vor Erregung bei nur einem Gedanken
An das harte Pflaster und der
Füße, die dieses begehen, weil mehr als Füße
Ist nicht vorstellbar im beredeten Schweigen.
Oder dass sich ein Kind halten kann an einer
Behütenden Hand und lachen kann auf dem
Harten Pflaster ist nicht denkbar?
Und der Kaffee im Pappbecher jedes Mal viel zu heiß.
Das liegt am harten Pflaster, das hart bleiben soll,
denn sonst wären wir hier viel zu viele und
bekämen nicht genug Luft, die wir ja brauchen,
um weiter zu schweigen, wenn wir reden über
den kaputten Kühlschrank vor Jahren in der
WG ohne Zentralheizung, in der wir uns alle
Unter zwei Decken aneinander kuschelten
Und berührten, um uns warm zu halten.
Ja, wir wissen, wie das ist und vergessen das
Geld der Familie, das wir verachtend ausgaben,
denn irgendwas mussten wir essen und denken
auch heute nicht daran, dass das Gras, das wir unter der
Decke zwischen den Berührungen in Papier
wickelten, nicht vom Himmel gefallen war,
der uns so nah erschien mit den indigoblauen
Wolken in der Nacht, unter dem unsere Körper
Bebten manchmal in den Berührungen weit
weg vom harten Pflaster.